Bakterielle Vaginose oder Pilzinfektion?

Zu den häufigsten Beschwerden im weiblichen Intim-Bereich zählen eindeutig bakterielle Vaginose (BV) zum einen und Scheiden-Pilz – oder Soor – zum anderen. Lange Zeit wurde Soor besser verstanden und schneller behandelt. Das führte zur allgemeinen falschen Auffassung, dass ungewöhnlicher Ausfluss, Juckreiz oder Schmerz durch Pilz (auch: Candida) verursacht wird. Heute weiß man allerdings, dass die bakterielle Vaginose genauso häufig auftritt wie eine Pilz-Infektion – aber anders behandelt werden muss.

Bakterielle Vaginose oder Soor: die Symptome

Sowohl die bakterielle Vaginose als auch die Pilz-Infektion kennzeichnen sich durch einen ungewöhnlichen Ausfluss, der jedoch jeweils anders aussieht: Während die BV einen dünnen und wässrigen, weißen oder grauen Ausfluss mit einem speziellen fischigen Geruch hervorruft, ist dieser beim Soor eher dick und weiß – ähnlich wie Hüttenkäse – und weist einen schwachen Pilz-Geruch auf.

BV gegen Pilz


BV

Soor verursacht vor allem sehr starken Juckreiz und eine Reizung – und weniger häufig Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs oder beim Urinieren. Die Haut der Vulva ist rosa oder rot und weist manchmal einen weißen Belag auf, der nicht entfernt werden kann. Während Reizung und Schmerzen auch bei der bakteriellen Vaginose auftreten, ist Juckreiz seltener zu beobachten.

Ein weiterer Unterschied betrifft den pH-Wert: Während der normale pH-Wert der Scheide sauer ist, ist er bei der BV eher basisch. Soor aber hat keinerlei Auswirkung auf die Säure der Scheidenflora. Dieser wichtige Unterschied ist die Grundlage für viele frei verkäufliche Tests für vaginale Infektionen.

Achtung: Die Unterschiede zwischen bakterieller Vaginose und Scheiden-Pilz sind nicht immer offensichtlich – und können manchmal sogar mit Symptomen anderer und dabei ernsthafterer Probleme verwechselt werden. Deshalb sollten Sie im Zweifelsfall immer Rücksprache mit Ihrer Gynäkologin bzw. Ihrem Gynäkologen halten.


Scheidenpilz und bakterielle Vaginose richtig behandeln

Die bakterielle Vaginose kann mit Antibiotika – wie z.B. Metronidazol – oder mit natürlichen Produkten und Präbiotika behandelt werden. Diese stellen das Gleichgewicht der Scheidenflora wieder her. Antibiotika dagegen bekämpfen auch die guten Bakterien (Milchsäure-Bakterien) und können weitere unangenehme Nebenwirkungen haben. Deshalb ist bei einer Antibiotika-Behandlung auch die Rückfallrate eher hoch. Natürliche Produkte zielen eher darauf ab, die Scheidenflora wiederherzustellen, anstatt sie weiter zu beschädigen.

Gleichfalls kann die Candida bzw. Pilz-Infektion mit Antimykotika behandelt werden – oder mit einem natürlichen Produkt, das das Gleichgewicht wiederherstellt und die förderlichen Milchsäure-Bakterien in der Scheidenflora stimuliert. Falls Sie sich für ein frei verkäufliches Selbst-Behandlungsprodukt entscheiden, die Symptome aber bestehen bleiben, sollten Sie Ihre Ärztin bzw. Ihren Arzt aufsuchen.


Erfahren Sie mehr über die bakterielle Vaginose


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